Für Folge 73 habe ich mit Franzi von der Initiative Barrierefrei Feiern über das Thema barrierefreies Feiern und Inklusion bei Kulturveranstaltungen gesprochen.
Franzi engagiert sich mit dem Kollektiv der Initiative Barriefrei Feiern und der Beratungsagentur „Wir kümmern uns“ dafür, dass Menschen mit Behinderung gleichberechtigt an Festivals, Konzerten und anderen Kulturveranstaltungen teilnehmen können – nicht nur als Besucher*in, sondern auch auf und hinter der Bühne. Wir sprechen darüber, wie Awareness-Arbeit auf Events aussieht, welche Hürden es hinsichtlich Ticketing, Begleitpersonen und barrierefreier Infrastruktur immer noch gibt, und warum gute Information und FAQs so wichtig sind.
Ein weiterer Schwerpunkt in unserem Gespräch ist, welche Bedeutung das Feiern als achtsame Praxis für Franzi hat und wie es möglich wird, wenn die Grundbedürfnisse erfüllt sind. Außerdem thematisieren wir die politische Dimension von Inklusion im Kulturbereich, die Bedeutung von Sichtbarkeit und warum echte Teilhabe mehr ist als nur der Zugang.
Über diese Themen sprechen wir in der Folge:
- Über Franzi und Initiative Barrierefrei Feiern
- Barrierefreies Feiern und kulturelle Teilhabe
- Awareness-Arbeit auf Festivals
- Was wichtig ist für barrierefreie Veranstaltungen
- Sichtbarkeit von Menschen mit Behinderung in der Kultur
- Achtsames Feiern als Selbstfürsorge
- Mental Load und Herausforderungen im Alltag
- Franzis eigene Selbstfürsorge
Höre hier direkt in die Folge rein:
oder finde die Folge überall, wo es Podcasts gibt.
Transkript dieses Beitrags:
Einleitung in die Folge
Mechthild [00:00:19]:
Hallo, herzlich willkommen zu Folge 73 von Inklusive Achtsamkeit – der Podcast. Ich freue mich, dass du eingeschaltet hast, dass du dabei bist. Ich bin Mechthild, die Gründerin von Inklusive Achtsamkeit und die Hostin dieses Podcasts. Also die Person, die immer die Interviews hier führt und auch immer ab und zu mal Solo-Folgen teilt. Heute gibt es wieder ein schönes Gespräch mit Franzi von der Initiative Barrierefrei Feiern (IBF) und Wir kümmern uns (WKU).
Thema ist barrierefreies Feiern
Darüber sprechen wir nämlich heute über das barrierefreie Feiern und wie wir das auch achtsamer machen können und was es auch noch braucht, bei Festivals und auch andere Kulturveranstaltungen inklusiver zu gestalten, Konzerte inklusiver zu gestalten, was es dafür alles braucht. Und ich freue mich total, dass es Franzi und das Team hinter Wir kümmern uns und IBF gibt, dass diese Arbeit auch macht und sich immer wieder dafür einsetzt für unsere Community. Und deswegen freue ich mich, dass ich heute diese Folge mit dir auch teilen kann. Ich hoffe, du kannst für dich auch noch was mitnehmen.
Es geht natürlich auch um Achtsamkeit
Mechthild [00:01:25]:
Und wenn du in dem Bereich arbeitest, vielleicht auch noch mal schauen, wie du was bei deiner Arbeit anpassen, verändern kannst. Auch vielleicht an den Strukturen, wenn das möglich ist. Also auf jeden Fall ein super wichtiges Thema. Und natürlich geht es auch ein bisschen das Thema Achtsamkeit. Also wieder die beiden Themen Inklusion und Achtsamkeit schön miteinander verbunden.
Die Aufnahme ist bereits im Juli 2025 entstanden
Und jetzt wünsche ich dir viel Spaß beim Hören dieser Folge. Genau, eine Sache noch, bevor ich anfange, bevor ich nochmal ansage, ich spiele Spaß mit der Folge. Durch zeitliche Themen habe ich die Folge schon im Juli aufgenommen und bis die Folge erscheinen ist, ist November (oder jetzt sogar im Dezember).
Mechthild [00:02:05]:
Aber das ist natürlich immer noch ein relevantes Thema. Es ist immer ein relevantes Thema, deswegen auch geht vielleicht jetzt ein bisschen mehr Sommerfestivals, aber es geht genauso gut andere Kulturveranstaltungen. Das nur eben, bevor ich jetzt noch mal sage, viel Spaß mit der Folge und beim Hören dieser Folge. Bis dann!
Vorstellung Franzi und Initiative Barrierefrei Feiern
Hallo liebe Franzi, schön, dass du heute im Podcast zu Gast bist. Ich freue mich total, dass es endlich klappt. Wir haben ja schon länger darüber geredet, dass ich dich gerne im Podcast hier hätte und über eure Themen auch von Initiative Barrierefrei Feiern und zu sprechen will. Und ich fange immer so an, dass die Gästinnen sich erst mal vorstellen können, was du so machst, wer du bist, was du von dir teilen willst. Und danach kommen alle weiteren Themen und Fragen.
Franzi stellt sich vor
Franzi [00:02:56]:
Ja, ich sage auch vielen, vielen Dank. Danke auch für deine Geduld. Wir haben es ja mehrfach verschieben müssen, meinetwegen. Deswegen freue ich mich umso mehr, dass es endlich klappt. Und ja, also du auch mich eingeladen hast, uns eingeladen hast. Das freut uns oder mich natürlich sehr. Aber vielleicht für alle, die mich noch nicht kennen, Das werden bestimmt einige sein. Ich bin Franzi, ich bin 33 Jahre lebe in Köln.
Franzi [00:03:21]:
Ich bin kleinwüchsige Rollstuhlfahrerin und bin Teil der Initiative barrierefrei feiern und gehe, man glaubt es kaum, gerne feiern. Inzwischen mit 33 nicht mehr ganz so häufig, wie ich das vielleicht noch mit Mitte 20 gemacht habe. Aber barrierefreies Feiern und barrierefreie Konzerte, Festivals sind immer noch ein großer Teil inzwischen auch glücklicherweise meines Berufslebens, aber auch meines Privatlebens.
Über die Initiative Barrierefrei Feiern
Genau, Vielleicht kurz zur Initiative Barrierefrei Feiern. Das ist ein Kollektiv aus inzwischen über 50 Menschen mit Behinderung und ihren Verbündeten ohne Behinderung, die sich für die kulturelle Teilhabe von Menschen mit Behinderung einsetzen hier in Deutschland. Genau, das Kollektiv besteht aus ganz unterschiedlichen Menschen, die alle irgendwie mit der Kultur involviert sind, also die alle einen Bezug zur Kultur haben, entweder als besuchende Person oder aber auch als Fachkraft, weil sie hinter der Bühne arbeiten, also als Technik-Innen, MusikjournalistInnen, etc. oder auch, weil sie als KünstlerInnen auf der Bühne stehen.
Und das ist uns auch ein ganz wichtiges Anliegen, dass, wenn wir über Barrierefreiheit sprechen und Zugang zu Kultur, dass da eben dann nicht nur der Publikumsraum mit gemeint ist, sondern dass Barrierefreiheit überall herrschen muss, dass Zugänge vor, auf und hinter der Bühne bestehen müssen, damit Menschen mit Behinderung eben auch überall stattfinden.
Beratungsagentur WKU macht die Arbeit
Franzi [00:04:46]:
Und die Initiative Barrierefreiheit Feiern sind gar nicht die, die die Arbeit machen, sondern das ist die Beratungsagentur. Wir kümmern uns, die die Sprechstunden, Online-Sprechstunden, Workshops und Prozessbegleitung eben auch anbietet. Ja, das wird nämlich immer so ein bisschen in Verbindung gesetzt.
Awareness Arbeit auf Festivals
Mechthild [00:05:03]:
Ja, ich finde das finde ich so cool, was ihr macht. Und ja, ich bin auch ja ein bisschen involviert in das, was ihr macht und sehe immer auch auf Instagram viel, was ihr teilt und wo ihr seid. Und ein wichtiger Aspekt von eurer Arbeit ist ja auch die Awareness-Arbeit, die ihr dann auch auf Festivals macht. Willst du dazu noch was sagen?
Die Arbeit von WKU hat viele verschiedene Aspekte
Franzi [00:05:22]:
Genau, das ist so ein bisschen das Sichtbarste unserer Arbeit. Also wir beraten Festivals und Veranstaltende, also wir bieten Online-Sprechstunden an, Workshops und aber auch mittel- und langfristige Prozessbegleitung, wo wir dann sozusagen Veranstalten auch längerfristig begleiten und ihnen dabei helfen, eine tatsächliche Inklusionsstrategie auch umzusetzen, dass wir dann auch einzelne Gewerke beraten.
Arbeit vor Ort ist das Sahnehäubchen
Und sozusagen das Sahnehäubchen oder das eben das sichtbarste Ganze ist eben die Arbeit vor Ort.
Entweder als Awareness-Team mit gleichzeitigem Gästeservice für BesucherInnen mit Behinderungen oder ausschließlich als Serviceteam für Besucher*innen mit Behinderungen.
Und das ist dann tatsächlich auch so, ja, also erstmal, dass wir uns als Team alle sehen, weil wir arbeiten ganz viel im Homeoffice und das ist natürlich besonders schön. Aber es zeigt natürlich auch die Arbeit direkt mit den Besucher*innen, mit Behinderungen, wo wir dann einfach unterstützend sein können, wenn etwas noch nicht so barrierefrei ist, wie es sein sollte.
Awareness-Arbeit bietet großen Mehrwert
Dann unterstützen wir da, stehen aber auch für alle Fragen und Informationen zur Verfügung. Und das ist was, was uns auch als Mehrwert häufig auch zurückgemeldet wird. Erstmal, dass es eine feste Ansprechperson gibt, die dann auch noch eine Behinderung hat, weil das natürlich auch was mit dem Kontakt auf Augenhöhe zu tun hat.
Franzi [00:06:40]:
Und gleichzeitig auch einfach, dass man auch vor Ort Fragen stellen kann und man sofort eine Antwort bekommt. Vielleicht kriegt man nicht direkt eine Lösung, aber wir arbeiten immer nach dem Prinzip, was nicht passt, wird passend gemacht und sorgen dann eben dafür, dass alle Menschen gleichberechtigt teilhaben können.
Hinkommen, reinkommen, klarkommen
Mechthild [00:06:56]:
Ja, cool. Weil ihr habt ja auch so 3 Sprüche, die so wichtig sind, teilzuhaben, oder? Das ist hinkommen, reinkommen.
Franzi [00:07:06]:
Klarkommen.
Mechthild [00:07:07]:
Klarkommen.
Franzi [00:07:07]:
Genau, genau. Das ist so ein bisschen das, wonach wir auch die Veranstaltenden beraten, beziehungsweise wozu wir so die Barrierefreiheit kategorisieren, sag ich mal. Das sind im Grunde, also das macht man auch bei Besucher*innen ohne Behinderung, bloß bei Besucher*innen mit Behinderung macht das irgendwie sonst keiner. Aber das sind im Grunde die Orte, die eine BesucherIn mit Behinderung sozusagen geht oder rollt, bis sie auf eine Veranstaltung ist.
Schon vorab auf der Webseite informieren
Franzi [00:07:42]:
Also die Barrierefreiheit fängt beim Hinkommen ja schon viel früher an, schon bei der Recherche, was ist das überhaupt für eine Veranstaltung und dann auch, was häufig immer noch fehlt. Gibt es FAQs zur Barrierefreiheit, also dass man sich wirklich umfassend darüber informieren kann. Das ist immer noch was, was häufig fehlt und was dann aber wiederum gleichzeitig bei Menschen mit Bindung einen wahnsinnigen, einen sehr großen Rechercheaufwand nötigt.
Also allein zu schauen, wo ist die nächste barrierefreie Haltestelle? Komme ich auf der Veranstaltung rein? Komme ich in die Veranstaltung rein? Und komme ich in der Veranstaltung auf Toilette? So jetzt mal als Rollstuhlfahrerin gesprochen. Gleichzeitig aber auch so was wie Assistenzhunde. Ist eigentlich gesetzlich geregelt, die dürfen überall mit rein. Bei den Veranstaltenden ist das noch nicht so angekommen. Und wenn man da dann einfach schon die Information auf der Website hat, hey, bei uns sind Assistenzhunde willkommen, vielleicht noch sagt vorher kurz Bescheid, falls es irgendwie platztechnisch da dann was zu organisieren gibt.
Auch die Anreise barrierefrei gestalten
Franzi [00:08:35]:
Aber dass die Person im Vorfeld einfach schon weiß, okay, ich muss da an der Tür nicht diskutieren, weil es geht in den FAQs. Und das ist so, das Hinkommen natürlich auch dann die barrierefreie Anreise, sowohl jetzt Behinderten-Parkplatz als auch ÖPNV, wo ist die nächste barrierefreie Haltestelle und vielleicht auch gerade so in Großstädten wie hier jetzt bei uns in Köln oder auch Berlin, also in ganz vielen Großstädten gibt es ja auch eine Internetseite, die einem sagt, ob Aufzüge kaputt sind oder nicht.
Die sind jetzt auch nicht immer top aktuell, aber die sind ein guter Richtwert. Und das ja gerade auch bei Veranstaltungen, die so überregionales Publikum haben möchten, ist das eine super Möglichkeit, auch darauf hinzuweisen in den FAQs und darüber einfach zu informieren.
Personal sollte sensibilisiert sein
Beim Reinkommen geht es dann ganz viel auch sensibilisiertes Personal. Wie wird man begrüßt? Wie geht man auf die Person mit Behinderung ein? Wird man so ein bisschen als Alien dargestellt? Und das ist jetzt was ganz Besonderes sozusagen. Oder ist da einfach eine Sensibilität auch mit wird jetzt einfach an meinem Rollstuhl geschoben, weil da eine steile Rampe ist oder wird vielleicht erst mal gefragt, ob ich Hilfe brauche und wird dann auch nein akzeptiert. Natürlich dann auch beim Reinkommen die Räumliche Zugänglichkeit, kann man durch den Haupteingang barrierefrei rein oder muss man durch irgendwelche Hintertüren.
Franzi [00:09:51]:
Viele Menschen mit Rollstuhl werden das auch kennen oder die auf den barrierefreien Eingang angewiesen sind.
Zugänge vor Ort
Und dann gleichzeitig aber auch alles, was mit beim Klarkommen, alles, was dann eben vor Ort ist. Also sowohl Rollstuhlzugänglichkeit, aber auch gibt es Leitsysteme, gibt es Ruheräume, wie ist allgemein die Aufteilung vor Ort, gibt es vielleicht auch die Möglichkeit, schon eine Beschreibung zu machen, wie sieht der Raum aus, wo finde ich was, einfach Menschen mit unterschiedlichsten Bedarfen einen guten Aufenthalt dort zu ermöglichen.
Dadurch, dass die Vielfalt an Behinderungen so groß ist, ist natürlich auch die Vielfalt an Bedarfen groß. Und gleichzeitig nützt das eine wieder vielen anderen. Es ist gar nicht so, dass man immer gucken muss, okay, welche Behinderung ist das? Da machen wir jetzt das und das, sondern eher schaut, okay, welche Maßnahmen können wir eigentlich umsetzen? Und das dann ja ganz vielen Menschen hilft.
Darf eine Begleitperson mitkommen?
Mechthild [00:10:43]:
Ja, cool. Das war ja schon viel. Wo ich noch dran gedacht habe, ist ja auch so das Thema Begleitperson, ob man eine Begleitperson mitnehmen kann und wie das dann mit den Tickets geregelt ist, weil da gibt es ja auch Unterschiede und das finde ich auch immer praktisch, wenn das schon in den FAQs steht, dass ich schon vorher weiß, Okay, die denken auch darüber nach und die wissen auch, wie es ist. Und ich muss nicht irgendwo eine E-Mail schreiben, wo ich dann nie eine Antwort bekomme oder irgendwelche Hotlines rumhängen. Da gibt es ja auch oft in der WhatsApp-Gruppe zum Beispiel von euch ja auch über die Hotlines und so wird sich auch oft aufgeregt.
Ticketing ist ein großes Aufreger-Thema in der Community
Franzi [00:11:17]:
Ja, also Ticketing ist tatsächlich, ich glaube, so das größte Thema, das größte Aufreger-Thema, also in unserer ganzen Community, würde ich sagen. Also nicht nur in unserem Kollektiv, sondern alle Menschen mit Behinderungen, die gerne auf Konzerte gehen, auf Festivals gehen, haben sich, glaube ich, in ihrem Leben schon mal über Ticketing ausgedrückt oder sind auch schon gescheitert, weil es manchmal so kompliziert, kräftezehrend ist.
Der Prozess ist sehr kompliziert
Also wirklich jetzt, dass man einfach nicht an die Tickets kommt, also schon gar nicht irgendwie auf dem Weg, wo Menschen ohne Behinderung ihr Tickets kaufen. Also das ist einfach online auf Knopf drücken und dann kriegen sie ihr Ticket, kriegen das Ticket für die Begleitperson, sondern dass es tatsächlich über Hotlines ist.
Teilweise sogar noch kostenpflichtige und dann aber auch das dann teilweise an den Hotlines, die wiederum explizit für Besucher*innen mit Behinderung eingerichtet sind, dann aber keiner weiß, wie man jetzt das Ticket, das bestimmte Ticket für eine Veranstaltung kauft. Also das ist, ich glaube, da kann wirklich jede Person irgendwie eine Geschichte zu erzählen.
Informationen zum Ticketing barrierefrei machen
Und das ist uns auch immer ein großes Anliegen in der Beratung, dass man auch einfach das Ticketing und die Informationen zum Ticketing, wie du sagst, Begleitpersonen einfach barrierefrei macht. Und ich würde fast sagen, wir als Rollstuhlfahrende haben meistens noch den größten Informationsvorsprung, weil da irgendwo steht immer so, ja, Menschen mit Rollstuhl können irgendwie hier und da ihr Ticket kaufen. Aber das Spektrum an Menschen mit Behinderung ist ja weitaus größer.
Wichtig für Menschen mit Assistenz
Franzi [00:12:45]:
Und auch eben das Thema Begleitpersonen betrifft ja eben nicht nur Menschen mit Behinderung, gerade Menschen, die auch auf Assistenzpersonen angewiesen sind. Da ist das Thema ja auch noch mal ein größeres, weil da natürlich auch die Wichtigkeit ist, dass die Assistenzperson einfach dabei sein kann und eben dann eben auch kostenlos mitkommen kann, weil es einfach nötig ist, vor Ort zurechtzukommen.
Wir können uns meist unsere Plätze nicht aussuchen
Mechthild [00:13:08]:
Ja, und auch, dass man dann irgendwo ganz oben sitzt oder ganz weit hinten, was ja dann auch irgendwie blöd ist, je nachdem, wo es ist, weil man so auf dem besten Platz sein muss.
Franzi [00:13:20]:
Ja, genau. Also das ist dann wieder das nächste Thema, weil es ist auch da, man kann es sich nicht aussuchen in der Regel. Also man kann auch über Theater sprechen oder ähnliches oder auch teilweise Konzerte, wo dann zum Beispiel eine Pflicht besteht, dass man aufs Podest muss. Wo man dann einfach sagt, man hat einfach keine Wahl, man zahlt irgendwie denselben Preis, aber man hat überhaupt keine Wahl, sich auszusuchen, wo man hin will. Oder man zahlt vielleicht sogar im Theater noch einen höheren Preis, als man eigentlich zahlen würde, weil der Platz irgendwie ganz vorne rechts 1 der besten Plätze ist. Gerade hat man vielleicht aber gar nicht so viel Geld und würde sich eher auch einen Platz hinten kaufen, aber das ist dann einfach nicht möglich. Also das sind ganz viele Nachteile, die Menschen mit Behinderung in der Kultur immer noch haben.
Auch Barrierefreiheit auf und hinter der Bühne
Mechthild [00:14:13]:
Und da reden wir nur über das Besuchen, aber was du ja eben gesagt hast, ist ja auch die Sache auf der Bühne oder hinter der Bühne, wo es ja auch oft schwierig ist, weil die Gegebenheiten da ja auch nicht barrierefrei sind, dann auch in anderen Bereichen aktiv mitzuarbeiten im Kulturbereich.
Franzi [00:14:30]:
Genau, das ist ja das, wo wir dann tatsächlich auch von Inklusion sprechen würden, also von inklusiven Veranstaltungen, wenn eben sowohl Menschen in den Teams sind und Entscheidungen mit treffen und eben auch das Line-up divers ist und eben auch Künstler*innen mit Behinderungen auf der Bühne stehen. Und das wird aber im Moment einfach noch verhindert, dadurch, dass die Strukturen nicht barrierefrei sind.
Also ich komme jetzt gerade auch von der Ortsbegehung, wo es darum ging, die Bühne barrierefrei zu gestalten, dass da eben auch Menschen mit Rollstuhl oder aber auch Menschen mit anderen Behinderungen auf die Bühne kommen, weil da war zum Beispiel auch gar kein Handlauf an der Treppe, die zu gehen geht. Und das ist natürlich dann auch wieder was, was dann auch wieder andere Menschen mit Behinderungen oder ältere Menschen, was weiß ich, betrifft.
Noch weit weg davon, dass es für alle Menschen zugänglich ist
Und das ist einfach, da sind wir immer noch sehr, sehr weit von weg, dass das tatsächlich für alle Menschen zugänglich ist und wir dann tatsächlich von inklusiven Veranstaltungen sprechen, obwohl es eben die UN-Behindertenrechtskonvention, die immer so zur Hand genommen wird, festgeschrieben steht, dass das eben in allen Bereichen gegeben sein muss, also dass die Zugänglichkeit auf allen Bereichen gegeben sein muss, damit eben auch Menschen mit Behinderung ihr künstlerisches Potenzial entfalten können. Das ist ja immer so ein bisschen dieses, ha, wenn man es nicht sieht, gibt es auch keine Nachahmer*innen, sage ich mal.
Menschen mit Behinderung sollten sichtbarer sein
Also ich glaube, wenn viel mehr Menschen mit Bindung, wenn die viel sichtbarer werden, wird es zum einen normalisierter in der Gesellschaft werden. Gleichzeitig ist es aber auch was, wo dann auch andere Menschen mit Behinderung irgendwie denken, ach ja, das kann ich ja auch.
Franzi [00:16:02]:
Ich kann ja auch irgendwie Sängerin sein, Bassistin sein, was auch immer. Und das fehlt einfach noch viel zu sehr, diese Sichtbarkeit von Menschen mit Bindung, auch auf ganz regulären Bühnen, also auf den großen Festivals oder auf den kleineren Festivals. Aber einfach, ja, dass Menschen mit Bindung einfach auf Bühnen sichtbar sind. Also es kommt so langsam, aber es ist noch weit weg von da, wo wir hin.
Mechthild [00:16:27]:
Ja, das ist dann auf jeden Fall auch ein Teil eurer Arbeit, da mehr Sichtbarkeit auch für zu schaffen.
Franzi [00:16:33]:
Ja, genau.
Auch sehr aktiv auf Social Media
Mechthild [00:16:36]:
Genau, und da macht ihr auch viel auf Social Media, dass ihr auch über Projekte teilt oder auch über eure Arbeit und da auch Sichtbarkeit dann für die Themen schafft.
Franzi [00:16:46]:
Genau, das ist so unser Öffentlichkeits-Arm, sag ich mal. Wenn wir irgendwo vor Ort sind, auch Veranstaltungen, dass wir da ganz viel von unserer Arbeit und von den Eindrücken teilen, wie sieht das eigentlich aus, was machen wir da eigentlich den ganzen Tag. So was auch wie zum Beispiel, dass wir die Toiletten checken oder so was.
Der Toiletten-Check
Je nach Veranstaltung, je nach Toilette halt unterschiedlich, aber viele Menschen, die auf eine barrierefreie Toilette angewiesen sind, werden auch das kennen. Die ist nämlich häufig mal zugestellt, abgestoßen, was auch immer, die Zugänge, nicht sauber und so weiter. Und auch das gehört eben zu unserer Arbeit, dass wir vor einer Veranstaltung da mal reingucken und gucken, okay, sieht die so aus, wie sie aussehen soll? Ist die frei? Ist die sauber? Sowas.
Aber grundsätzlich schweife ich schon wieder ab, warum wäre eigentlich bei Social Media? Aber das wird da auch gezeigt. Genau, wir probieren halt auch, da natürlich auch so ein bisschen aufzuklären.
Informationen zum Disability Pride Month
Franzi [00:17:35]:
Also jetzt zum Beispiel auch bei dem Disability Pride Month. Wo kommt der eigentlich her? Warum feiern wir den im Juli? Wer hat da damals schon für uns gekämpft? Das, übrigens, habe ich heute gelernt. 35-jähriges Jubiläum. Also vor 35 Jahren ist der Americans with Disabilities Act eingetreten, also wurde verabschiedet in Amerika und nur deswegen feiern wir den. Und das ist eben auch was, was wir darüber teilen, eben auch einfach zu sensibilisieren und allgemein dieses Thema barrierefreies Feiern in auch den so den Mittelpunkt zu setzen.
Deaf Performance bei Rocken am Brocken
Oder jetzt werden wir bald an diesem Wochenende wahrscheinlich ist es schon gewesen, wenn diese Podcast Folge rauskommt. Aber am letzten Juli Wochenende wird es Deaf Performance beim Rocken am Brocken geben. Das natürlich auch.
Franzi [00:18:23]:
Also taube KünstlerInnen werden auf der Bühne stehen und die Musik und die KünstlerInnen begleiten. Und das natürlich auch einfach ein großer Schritt ist für Teilhabe für taube Menschen. Und das freut uns natürlich auch, was ein bisschen schade ist, dass ich selbst nicht da sein kann und es deswegen nicht live sehen kann. Aber da werde ich dann auch schauen, was über die Kanäle so rausgeht.
Die Folge erscheint im Winter
Mechthild [00:18:47]:
Vielleicht gibt es die dann auch als Videos, dass wir uns die nochmal angucken können. Und auch hier kann ich die dann nochmal teilen, weil die Folge kommt, glaube ich, erst im November raus.
Franzi [00:18:56]:
Oh, im Winter, eine Winterfolge.
Mechthild [00:18:58]:
Ja, aber das ist ja auch Konzert. Also ich finde, November ist auch so ein Konzertmonat, wo dann ganz viele Musiker ihre Konzerte auch drinnen.
Franzi [00:19:06]:
Total, da geht es dann eher wieder rein. Da haben wir dann wieder andere Probleme als die, die wir jetzt auf den Festivals haben. Aber ja, oh, dann muss man sich ja jetzt diese Stimmung fühlen von November.
Clubkonzerte und große Venues ist auch ein wichtiges Thema
Aber total, also Clubkonzerte oder auch dann in den größeren Venues ist natürlich auch ein riesen, riesen Thema, wo es dann auch einfach ganz viel bauliche Gegebenheiten geht, aber auch Informationen im Vorfeld. Ich verstehe das auch nicht immer so ganz, weil ich mir vorstelle, die Veranstaltenden müssen ja sehr, sehr viele E-Mails eigentlich immer bekommen. Wenn ich irgendwo nicht hinkomme oder hingekommen bin, so habe ich immer eine E-Mail geschrieben, so gibt es eine Toilette, gibt es dies, gibt es das. Wenn ihr doch einfach mal FAQs schreiben würdet, wo ihr ganz viele tatsächlich frequently asked questions, also häufig gestellte Fragen beantworten würdet, wäre ja schon viel getan, sag ich mal.
Es gibt auch Veränderungen
Mechthild [00:20:01]:
Ja, das stimmt. Oder dass dann auch Veränderungen stattfinden. Mir fällt gerade das eine Beispiel ein, hier bei einem Club hier in Köln, wo wir auch gerne hingehen, wo es lange auch keine, also zwar eine Rollstuhltoilette gab, aber die hatte nicht diesen Euro-Schlüssel, wo man einfach selber quasi als behinderte Person aufschließen muss. Man musste immer jemanden vom Team halt fragen, ob man auf die Toilette kommen kann. Und nachdem wir da immer wieder nachgefragt haben, haben sie das ja jetzt vor einem halben Jahr oder einem Jahr dann auch angepasst. Und dadurch kommt man ja jetzt auch als behinderte Person, wenn man diesen Euro-Schlüssel hat, kann man dann ja auch einfach selber dort auf Toilette und das finde ich auch gut, dass man ja auch Veränderungen sieht, wenn man immer wieder nachfragt, aber es ist natürlich wieder anstrengend, dass man das immer auch machen muss.
Behinderte Personen leisten viel kostenlose Aufklärungs-Arbeit
Franzi [00:20:46]:
Im Grunde leisten wir da oder andere Menschen mit Bindung so viele kostenlose Aufklärungs-Arbeit. Deswegen ist es uns eben auch ein Anliegen. Also wir sind eben auch zum Beispiel nicht gefördert und wenn man bei uns Beratungen haben möchte, dann muss man dafür bezahlen.
Beratungen sind bezahlt
Franzi [00:21:01]:
Und wir haben auch unter uns Berater eben auch ein Equal Pay System. Also alle verdienen bei uns auch dasselbe, ein faires Gehalt. Das ist nur möglich, weil die Veranstaltenden uns bezahlen. Das finde ich so wichtig, weil ganz häufig wird das als kostenlose Aufklärungs-Arbeit gesehen, dass Menschen mit Behinderung einfach so ihre Expertise, die sie haben, abgeben. Damit wird dann entweder was gemacht oder auch nicht gemacht. Ich weiß nicht, wie viele E-Mails du schon geschrieben hast.
Mechthild [00:21:32]:
Wahrscheinlich viele.
Forderungen sind gesetzlicher Mindeststandard
Franzi [00:21:33]:
Die nicht verlaufen sind, wo man einfach dachte, ey … Das habe ich, bevor ich diese Arbeit gemacht habe, auch gemacht und erfahr das auch heute noch im Gespräch mit anderen behinderten Menschen, wie viele Menschen da einfach so viel Zeit und Energie investieren wollen, weil ganz häufig, also das ist ja auch so, ist es so die einzige Lösung, die behinderte Menschen sehen, Gehör zu schaffen oder gelesen zu werden sozusagen, dass es irgendwie was verändert.
Und am Ende ist es tatsächlich so, also das ist auch das, was wir einfach fordern, braucht der gesetzliche Mindeststandard.
Also es muss von oben herab sozusagen gesagt werden, so nee, wenn ihr zum Beispiel öffentliche Förderung bekommt, wenn ihr öffentliches Geld bekommt, dann sollten auch alle Menschen teilhaben können bei euch. Und das ist im Moment einfach immer noch nicht gegeben.
Auch politische Arbeit
Mechthild [00:22:25]:
Da macht ihr ja auch so politische Lobby-Arbeit, aber ja, ist es ja dann auch schon ein bisschen, macht ihr ja auch teilweise, weil ich erinnere mich, vor einem Jahr oder 2 Jahren warst du dort sogar im Kulturausschuss des Bundestages.
Franzi [00:22:38]:
Ja, vor einem Jahr, genau, das war sehr aufregend. Genau, da sind wir noch, wir lernen noch, wie man gute politische Lobby-Arbeit macht, also das ist auf jeden Fall noch im Wachsen. Aber wir waren da auch schon vertreten, da unsere Forderungen eben auch genauso zu platzieren. Und jetzt ist es aber natürlich so, haben wir eine neue Regierung, neuen Kulturminister, den gleichen Behindertenbeauftragten, aber ansonsten ist alles irgendwie neu und da muss man jetzt natürlich noch mal neu ran, die Forderungen noch mal anzubringen und das natürlich auch was ist, was immer wieder sozusagen gebetsmühlenartig oder wie man sagt angebracht werden muss.
Ihr werdet immer sichtbarer mit dem Thema
Mechthild [00:23:18]:
Ja, aber natürlich auch gerade dadurch, dass ihr immer sichtbarer seid mit eurer Arbeit und dass immer mehr Festivals ja auch dann anbieten, diese Awareness-Arbeit und auch, dass sie sich beraten lassen, verändert sich ja vielleicht auch dann dadurch was und dass dann wie du sagst auch Förderungen mehr an Inklusion auch geknüpft sind, dass wenn irgendwie eine Bühne eine Förderung haben möchte, dass sie dann auch sagen muss, was sie an inklusiven Angeboten auch macht.
Inklusion bedeutet gleichwertig und gleichberechtigte Teilhabe
Franzi [00:23:44]:
Ja, genau und dass es dann auch tatsächlich auch inklusiv ist, also dass eben auch Menschen mit Behinderung involviert werden. Weil ganz häufig ist ja auch so, dieser Inklusionsstempel wird auch genutzt, einfach zu sagen, ja gut, da sind jetzt, wir haben zum Beispiel eine Party für Menschen mit Behinderung. Wir sagen, Inklusion bedeutet gleichwertig und gleichberechtigt und alle nehmen teil. Und das ist halt einfach nur, nur weil Menschen mit Behinderung da sind, heißt das noch nicht, dass es inklusiv ist. Und nur weil die Party nur für Menschen mit Behinderung ist, ist sie erst recht nicht inklusiv, weil es eben viel mehr benötigt.
Es geht eben darum, dass Menschen mit Behinderung zu den regulären Partys Zugang haben und sich dort dann eben auch sicher und willkommen fühlen. Und das ist ganz, ganz wichtig. Und das ist was, was ja, wo es auch immer noch scheitert an ganz vielen Ecken und Enden, wenn man so einfach mal Zeitungsartikel oder Berichte sieht, inklusive Partys oder ähnliches.
Über Menschen mit Behinderung berichten
Mechthild [00:24:40]:
Ja, es ist ja oft bei vielen Berichterstattungen über Menschen mit Behinderung, dass dann über die Menschen berichtet wird und nicht dann quasi was wir machen, sondern dass es irgendwie ja, da wird eine Party für Menschen mit Behinderung gemacht von nicht behinderten Menschen und die klopften sich dann auf die Schulter. Ja. Toll sie sind.
Franzi [00:25:00]:
Ja genau und dann ist aber irgendwie 19 Uhr dann zu Ende und Bier gab es auch keins.
Feiern als Achtsamkeits-Strategie
Mechthild [00:25:06]:
Ja, okay. Das ist dann auch eine gute Überleitung zu der nächsten Frage, weil ich hatte ja so einen Fragebogen vorher und du hast da geschrieben, Feiern als Achtsamkeits-Strategie oder achtsames Feiern, den Anknüpfung zum Podcast-Thema zu bekommen.
Franzi [00:25:27]:
Ja, voll, weil ich merke das immer wieder bei mir selbst, wenn ich selbst auf Konzerten bin, also gerade in so Wochen, die irgendwie total stressig sind und wo ich ja versuche abzuschalten oder achtsam zu sein und dann irgendwie versuche Meditation zu machen oder ähnliches oder durch Yoga oder irgendwie was.
Franzi kann auf Konzerten gut abschalten
Merke aber, dass es, also das hilft, ja, auf jeden Fall, aber dass ich so richtig abschalte, tatsächlich, wenn ich auf Konzerten bin. Also, wenn ich auf den Konzerten meiner Lieblingsbands bin, dass ich dann merke, so, ja krass, jetzt bin ich so richtig heruntergefahren. Ich habe nichts von irgendwelchen Themen im Kopf, die mir sonst im Kopf kreisen. Sondern es ist tatsächlich einfach, dann bin ich in dem Moment. Das ist jetzt das Achtsam-Sein, im Moment sein. Und kann dann auch, wenn ich dann wieder abschweife zu den Themen, komme ich leichter zurück. Natürlich, weil man die ganze Zeit bescheuert wird.
Wichtig, dass Grundbedürfnisse erfüllt sind
Franzi [00:26:26]:
Das ist natürlich auch ein bisschen einfacher, im Moment zu sein. Aber als wir den ersten Termin hatten, kurz danach oder kurz davor war ich auf einem Konzert. Und da war für mich Achtsamkeit. Aber auch das ist natürlich nur möglich, wenn so die Grundbedürfnisse, meine Grundbedürfnisse, da halt auch wahrgenommen werden.
Und ich auf Toilette kann, wenn ich reinkomme ohne Probleme, wenn ich einen Platz habe, wo der zum einen nicht gefährlich irgendwie ist, aber zum anderen auch ein Platz, bei dem ich auch gut sehen kann, den ich im besten Fall auch noch selbst erreichen kann. Bei ganz vielen ist ja auch das erhöhte Podest, dann hat das eine Rampe, wo ich als nicht so starke Rollstuhlfahrerin auch einfach nicht selbst hochkomme. Aber wenn es denen z.B. so ist, dass dann vielleicht auch sensibilisiertes Personal an der Rampe steht und unterstützt.
Abschalten können ist nicht immer leicht
Franzi [00:27:14]:
Das sind so ganz viele Mechanismen, die sein müssen, damit ich überhaupt zu diesem Abschalten kommen kann. Damit ich mir keine Gedanken machen muss, wie komme ich nach Hause, wie komme ich von A nach B, muss ich aufpassen, was ich trinke, wie viel ich trinke, weil ich mir Gedanken machen muss, wie ich zu irgendeiner Toilette komme. Oder ist das einfach alles vor Ort und ich kann einfach im Moment sein und alles andere ist nebensächlich, was irgendwie für Menschen ohne Behinderung so normal ist auf Konzerten.
Weil ich meine, deren größtes Problem ist dann vielleicht die lange Schlange am Eingang. Dann müssen Sie auch noch nötig auf Toilette. Aber sobald Sie da sind, ist es irgendwie fein. Bei uns sind es noch so viele Punkte mehr, die irgendwie schwierig sein können. Und teilweise auch Sinn, dass es schwieriger ist, einen guten Abend zu haben.
Safe place und mental Load
Franzi [00:28:05]:
Aber wenn das passt, dann ist es wirklich so der safe place, sage ich mal, wo ich dann auch wirklich sagen kann, okay, hier ist wirklich gerade irgendwie so ein Moment, wo ich abschalten kann.
Mechthild [00:28:18]:
Ja, das ist ja auch diese Mental Load, da haben wir auch schon öfter im Podcast auch drüber gesprochen, dass wir uns als behinderte Person immer viel mehr Gedanken machen müssen über Dinge, wie wir sie machen können. Auch schon, ah, funktioniert jetzt der Aufzug an meiner Haltestelle? Funktioniert der Aufzug an der Haltestelle, wo ich hin muss?
Franzi [00:28:35]:
Und wenn nicht, welche Ausweichmöglichkeiten gibt es da?
Mechthild [00:28:39]:
Dann vor Ort, wie komme ich da rein? Kann ich mir selber, weil da habe ich auch eben noch drüber nachgedacht, kann ich mir selber mein Getränk holen oder stehe ich irgendwie an der Bar, dass mich der Barkeeper gar nicht sieht, weil die Bar auf Augenhöhe ist.
Franzi [00:28:55]:
Das erleben wir auch wieder in unseren Workshops und Sprechstunden, wo wir dann einfach auch aus unserer Lebensrealität erzählen. Zur Sensibilisierung und dann ganz viele Menschen ohne Bindungen, da so stehen und denken, wow, darüber habe ich mir noch nie Gedanken gemacht, dass jeder Mensch mit Behinderungen, sage ich mal, so viel mehr mental Load und Aufwand hat, irgendwo überhaupt hinzukommen, als Menschen ohne Behinderung, die das kurz bei Google Maps eintragen und dann sind sie quasi schon da.
Und im Zweifel nehmen sie sich so einen Roller und sind noch unkomplizierter da, wenn die Bahn mal nicht fährt oder was weiß ich. Ja, das ist total viel und deswegen ist es so wichtig, auch diese Möglichkeiten des Abschaltens zu haben.
Achtsamkeit sieht ganz unterschiedlich aus
Also sei es jetzt bei allesmöglichen, sei es jetzt eben bei Achtsamkeit, ist ja für viele Menschen einfach was ganz Unterschiedliches. Und dass es zum einen für Menschen, für die Achtsamkeit ein Punkkonzert oder ein Rockkonzert ist, dass sie dorthin gehen können. Und für andere Menschen, für die es Yoga ist oder andere Orte, dass auch diese Orte eben barrierefrei sind. Also das ist ja ganz häufig, dass Menschen mit Behinderung einfach so viel Ausschluss erleben an unterschiedlichen Orten und dadurch ja manchmal auch gar nicht die Wahl haben, wo kann ich jetzt eigentlich abschalten.
Auch schon Konzerte absagen
Franzi [00:30:10]:
Also ich musste auch schon Konzerte absagen, weil ich da einfach nicht reingekommen bin. Weil ich gesagt habe, ich lass mich jetzt auch nicht die Treppe runtertragen. Dann guckt ihr halt, dass ihr eure Konzerte da bucht, wo ich auch hinkomme sozusagen. Aber am Ende so bin ich… Natürlich kriegen auch die KünstlerInnen nicht mein Geld dann. Aber tatsächlich leidtragende bin in dem Fall ich, weil ich nicht auf dem Konzert gehe, weil ich den Abend nicht da bin und nicht feiern kann. Und das einfach, ja, was ist, was im Jahr 2025 nicht mehr sein sollte, dass man da Gedanken machen müsste.
Mehr Bewusstsein für das Thema
Mechthild [00:30:46]:
Und deswegen macht ihr eure Arbeit und dass hoffentlich immer mehr Künstler und auch Veranstalter sich darüber bewusst sind, wie wichtig das ist.
Franzi [00:30:55]:
Ja, total. Vor allem jetzt auch, weil jetzt in ganz vielen, also gerade auch Großstädten, sei es jetzt Berlin oder Köln, ja ganz viel auch Kulturförderung zurückgefahren wurde. Und tatsächlich erleben wir es auch immer wieder, dass dann das erste Thema, was wegfällt, ist Barrierefreiheit.
Sodass man dann sagt, das können wir uns nicht mehr leisten. So was halt einfach, ja natürlich, je schwieriger die finanzielle Situation wird, desto schwieriger wird es allgemein. Gleichzeitig darf das Thema trotzdem nicht vergessen werden und dann einfach gesagt werden, ja, gut, machen wir nicht, haben wir grad kein Geld für. Sondern sich trotzdem erst mal mit dem Thema auseinandersetzen. Ganz viel ist auch schon, also dieses ganze Thema FAQs, was ich gerade gesagt habe, Informationen, wie viel Mental Load das von uns schon abnimmt, wenn die FAQs einfach gut und übersichtlich geschrieben sind und ausführlich.
Oft keine Menschen mit Behinderung im Team
Franzi [00:31:42]:
Da sprechen wir nicht von dem großen Geldhaufen, was aber eine sehr nachhaltige Lösung gleichzeitig ist. Das kann nicht umgesetzt werden, wenn es eben dann auch ganz viel an Wissen einfach fehlt. Also ganz viel ist einfach fehlendes Wissen, fehlende Sensibilisierung, weil eben keine Menschen mit Behinderung in den Teams sind. Also es ist halt einfach so ein Teufelskreis, der unbedingt durchbrochen werden muss. Und das eben auch was ist, woran wir stetig arbeiten, dass der durchbrochen wird und dass dann auch Menschen mit Behinderungen in allen Ebenen teilhaben können. Und umso schöner ist es dann, wenn es auch klappt. Also wenn man dann auch wirklich so irgendwie Veranstaltungen hat, wo man dann auch sieht, hey, die machen tatsächlich was Nachhaltiges, die ihre Maßnahmen weiter. Die stellen tatsächlich auch Menschen mit Behinderung ein.
Lebensrealität von Menschen mit Behinderung mitdenken
Franzi [00:32:35]:
Im Grunde könnte man ja sagen, gut dann habt ihr aber da ja gar nichts mehr zu tun. Aber das ist so unser Nonplusultra. Also unser Ziel ist gegeben sozusagen, wenn Menschen mit Behinderung in den Teams mitarbeiten, wohl vielleicht eine beratende Tätigkeit zur Barrierefreiheit, aber auch tatsächlich einfach, was weiß ich, als Technikerin, als in der Verwaltung oder was weiß ich, dass die einfach ja Teil des Teams sind.
Und dadurch wird, selbst wenn sie nicht explizit für die Barrierefreiheit zuständig sind, wird aber schon direkt ganz viel mitgedacht, weil sie müssen ja auch zu ihrem Arbeitsplatz kommen so sie müssen irgendwie da teilhaben und dann wird ganz viel, wenn Menschen mit Behinderung einfach teil der Lebensrealität von Menschen ohne Behinderung passiert ganz viel von selbst, weil das einfach ist ach ja wie ist das denn jetzt eigentlich für Franzi? Wie kommt die da überall hin?
Wir leben in einem exklusiven System
Also wie viele so Gespräche ich eben auch schon mit Freundinnen, Bekannten und so weiter geführt habe, die dann auch erst dadurch einen anderen Blick gekriegt haben und dadurch, dass Menschen mit Behinderung so wenig Teil haben in unserer Gesellschaft, durch dieses ganze exklusive Schulsystem, durch die Werkstätten und so weiter, dass so wenig Kontakt da ist. Und Kultur ist eben ein Ort, wo man das so ein bisschen aufholen kann. Also wo alles, was in der Gesellschaft, mit dem Schulsystem, mit den Werkstätten und so weiter nicht gut läuft, so an Kultur, können erstmal theoretisch oder könnten alle teilhaben. Und das kann einfach ein Ort sein, an dem alle zusammenkommen, wenn die Gegebenheiten stimmen. Weil da gibt es eben sozusagen keine Politik, die sagt, nein, du musst jetzt in die Werkstatt oder du musst jetzt auf die Förderschule, sondern wenn du auf das Konzert willst, dann geh da hin. Dann kann der finanzielle Aspekt wieder ein Hinderungsgrund sein.
Auch finanzielle Teilhabe ermöglichen
Franzi [00:34:16]:
Wenn ich in der Werkstatt arbeite, habe ich nur einen geringen Betrag zur freien Verfügung und Konzerte werden immer teurer. Und auch das ist natürlich dann, der dann wieder auch wieder mit reinspielt. Aber theoretisch können an Kulturveranstaltungen erstmal alle teilhaben. Und deswegen ist es so wichtig, das barrierefrei zu gestalten, damit auch tatsächlich Menschen teilhaben können und ein Teil der Gesellschaft sind.
Mechthild [00:34:41]:
Ja, super wichtig. Ja, auch noch ein wichtiges Thema am Ende. Es gibt so viele Aspekte, die mir jetzt auch noch, während wir die Folge machen, noch einfallen. Das ist ja echt ein riesiges Thema und darüber können wir wahrscheinlich noch Stunden reden.
Zweite Folge muss kommen
Franzi [00:34:57]:
Teil 2.
Mechthild [00:34:58]:
Was? Ja, Teil 2 kommt nächstes Jahr.
Franzi [00:35:02]:
Ja, bei unserer Terminfindung wird es auch bestimmt vielleicht nächstes Jahr November. Aber gucken wir mal, was bis dahin passiert.
Mechthild [00:35:09]:
Ja, aber ich möchte den Podcast ja immer noch sehr lange weitermachen, weil es mir auch so Spaß macht, so Geschichtsteile, die vielleicht jetzt nicht direkt auf den ersten Blick was mit Achtsamkeit zu tun haben, aber natürlich auch mit dem Thema Inklusion. Aber so wie wir jetzt in der Folge gesehen haben, auch beim Feiern oder Konzerten hat ja dieser Aspekt der Achtsamkeit auch schon eine große Sichtbarkeit. Wortfindungssturm wieder.
Mehr über Franzi
Genau. Einfach ja auch deine Story zu teilen und eure Story von Initiative Barrierefrei Feiern. Das macht einfach mehr Spaß und ich freue mich, dass ich so eine Plattform habe, Geschichten zu teilen aus unserer Community und uns miteinander auch zu vernetzen. Bestimmt kennen dich auch schon viele, weil ich wollte auch noch sagen, weil dein Instagram-Name ist einer meiner Lieblings-Instagram-Namen, dein privater Franzi Feuerstuhl. Also auch, wie du über deine Arbeit berichtest, aber auch wie du auf dem Kanal von Initiativ Barrierefrei Feiern.
Franzi [00:36:15]:
Nicht hinter dem Instagram Account. Das Gesicht vor und hinter dem Instagram Account. Ja, auf allen Ebenen.
Was wir noch ansprechen sollen
Mechthild [00:36:22]:
Und ich weiß nicht, ob ich noch irgendwas, ein Thema hab, was du sagst, das habt ihr mir jetzt noch gar nicht angeschnitten, das muss jetzt noch unbedingt in diese Folge und nicht in die nächste Folge.
Franzi [00:36:33]:
Nee, sonst fällt mir nichts mehr ein, was wir hier nicht besprochen haben. Und ansonsten, du hast es gerade schon so schön gesagt, folgt uns gerne bei Instagram, Initiative Barrierefrei Feiern heißt es da.
Achtsame Orte
Franzi [00:36:46]:
Genau, da sieht man immer am meisten und hört man, liest man immer am meisten von unserer Arbeit. Und wenn ihr noch Fragen habt an mich oder auch an Mechthild, könnt ihr sie auch jederzeit bei Instagram stellen. Weil in der meisten Zeit erreicht ihr da mich. Aber meine KollegInnen können es auch genauso gut beantworten. Ich danke sehr herzlich für die Einladung und dass eben auch ja so ein Thema eben auch hier in der Achtsamkeit einen Ort gefunden hat, weil für mich ist es tatsächlich ein sehr großer achtsamer Ort, das barrierefrei feiern, das aber nur zum achtsamen Ort werden kann, wenn es tatsächlich auch barrierefrei ist.
Noch mehr Sichtbarkeit schaffen
Und wenn wir den ganzen Kultursektor, das ist jetzt ein bisschen groß gedacht, aber man muss auch groß denken, große Sachen zu verändern. Wenn wir den ganzen Kultursektor barrierefrei gestalten werden, dann ist schon sehr viel erreicht, dann wird auch die Behinderten-Community noch mehr sichtbar, kann noch mehr feiern, wird noch mehr Stärke haben, dass wir auch dann den Rest des Landes barrierefrei umgesetzt bekommen. Und dann einfach über Teilhabe nicht mehr sprechen müssen und über Inklusion, weil es dann passiert ist, aber darüber dann in Teil 2, wie weit wir gekommen sind.
Mechthild [00:38:02]:
Ja, hoffentlich dann schon nächstes Jahr.
Franzi [00:38:05]:
Bestimmt, nächstes Jahr.
Franzis eigene Selbstfürsorge
Mechthild [00:38:07]:
Genau, aber bevor wir jetzt, das war auf jeden Fall schon sehr cool als Abschluss und Schlusswort. Aber eigentlich die allerletzte Frage, du hast ja schon ein bisschen über das, was dir guttut, geredet beim Feiern, aber vielleicht gibt es noch so im kleinen Dinge, die du für deine eigene Selbstversorgung so im Alltag auch machst, die dir guttun, vielleicht gerade im Moment, die dir helfen, auch bei deiner ganzen Arbeit vielleicht immer bei dir zu bleiben.
Pausen machen
Franzi [00:38:31]:
Pausen machen, das habe ich neu für mich entdeckt. Das meint man gar nicht, dass das so hilfreich ist, aber doch. Zwischen verschiedenen Aufgaben, auch während der Arbeit. Ich bin umgezogen, habe das Glück, in einer Wohnung mit Balkon zu wohnen und tatsächlich auch mal kurz vom Schreibtisch wegzugehen, kurz auf den Balkon und da einfach so zu sitzen und einfach zu gucken. Und dann wieder sozusagen die nächste Aufgabe. Das ist was, woran ich mich immer wieder erinnern muss, weil manchmal ist man halt auch so im Flow und denkt sich, nee, ich kann nicht. Das passiert grad alles so gut und ich bin grad so im Flow und kann hier schreiben, da schreiben und so, und dann nächste Aufgabe. Aber dann tatsächlich diese kleinen Pausen sind wirklich wertvoll, dann sozusagen am Ende des Tages nicht völlig erschöpft zu sein.
Bewegung ist ihr wichtig
Franzi [00:39:17]:
Und tatsächlich, aber auch das, was ich viel zu selten mache, Bewegung. Also auch, das hab ich jetzt Es stimmt gar nicht, dass ich’s zu selten mache. Auch das seit der neuen Wohnung, weil meine vorherige Wohnung war nicht komplett barrierefrei. Der hatte vorne immer eine Stufe, das heißt, ich musste immer einmal aus dem Rollstuhl aufstehen, dann den Rollstuhl hinterherziehen und so weiter. Und jetzt habe ich einen komplett barrierefreien Zugang und das hat so viel verändert, dass ich tatsächlich abends auch so irgendwie 21 Uhr, dass ich dann noch mal rausgehe, eine Runde mit dem Rollstuhl drehe, dann wieder nach Hause zu gehen. Und das ist auch was, was ich nicht, also ich hatte, als ich hingezogen bin und ich habe den Park in der Nähe, habe ich auch so, ja, ja, aber ein Park ist mir besonders wichtig, weil jetzt ganz ironisch gesagt, ich bin so eine Spaziergängerin und so was. Stellt sich raus.
Dann auch gerne ohne Kopfhörer
Franzi [00:40:04]:
Wenn es die Möglichkeit gibt, sozusagen, gehe ich auch spazieren. Das ist tatsächlich auch was. Also das eigentlich gehe ich immer nur mit Kopfhörern raus und mit Musik oder Podcast oder irgendwas im Ohr. Auch das wiederum eine Achtsamkeitssache, aber das ist nochmal ein anderes Thema. Aber da tatsächlich mache ich das ganz häufig auch ohne. Also tatsächlich, weil hier hört man, obwohl es noch Köln ist, hört man sehr viele Vögel. Okay. Das ist auch sowas, wo man nochmal so ein bisschen runterfährt.
Mechthild [00:40:29]:
Ja, cool.
Musik und Podcasts hören
Franzi [00:40:30]:
Und ansonsten tatsächlich Podcasts und Musik, wo wir wieder beim Anfang wären. Das ist auch was, was vor allem Musik in unterschiedlichsten Variationen mir hilft abzuschalten.
Mechthild [00:40:42]:
Ja, das mag ich auch total gerne. Einfach eine gute Playlist auf die Ohren und durch den Park fahren. Und das hilft auch beim nicht angequatscht, weil ich bin auch beim mitten so oft zu angequatscht, wenn man im Rolli unterwegs ist.
Franzi [00:40:56]:
Ja, ich bin gerade auf meinem Rückweg zweimal. Also ich habe auch mit dem Zug geredet und das ist ja toll.
Mechthild [00:41:03]:
Und du so auf die Kopfhörer gezeigt
Franzi [00:41:05]:
Wie bitte, das ist ja toll. Ja, das ist tatsächlich wäre eigentlich noch mal eine gute Maßnahme sich größere Kopfhörer zu kaufen Ich habe nur diese kleinen in ihr und die sind dann nicht so, das ist dann eher, dass man angequatscht wird und es nicht merkt.
Abschluss der Folge
Mechthild [00:41:21]:
Ja, ich habe echt so große Kopfhörer. Ja, dann vielen Dank, Franzi, dass du hier warst. Ich hoffe, ihr konntet viel mitnehmen. Ich habe jetzt auf jeden Fall schon wieder viele neue Impulse von dir mitgenommen. Und dann sage ich noch mal Danke und Tschüss und bis zum nächsten Mal.
Franzi [00:41:40]:
Vielen Dank auch und eine gute Winter-Weihnachtszeit. Gute achtsame Zeit.
Mechthild [00:41:45]:
Auch ein wichtiges Thema.
Hier die Folge zur Achtsamkeit in der Weihnachtszeit hören.
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