In Folge 78 habe ich mit Luca von Kirschbaum über Studium, Barrierefreiheit und die Bedeutung von Community gesprochen. Luca von Kirschbaum nutzt die Pronomen they/them, lebt in Köln und hat gerade die Masterarbeit im Fach Amerikanistik abgeschlossen. In unserem Gespräch teilt Luca offen die Erfahrungen als behinderte Person an deutschen Hochschulen, welchen Einfluss die Barrierefreiheit von Gebäuden auf die Möglichkeit des Ort des Studiums hat.
Wir sprechen darüber, wie wichtig der Austausch mit anderen behinderten Menschen ist und warum Begegnungen und Austausch innerhalb der Disability Community wichtig ist. Luca erzählt zudem aus der Zeit in Kanada: Welche Unterschiede in puncto Barrierefreiheit und gesellschaftliche Teilhabe sind im Ausland spürbar – und wie offen gehen Menschen dort miteinander um?
Ein weiteres Thema der Folge sind Nachteilsausgleiche, Prüfungungen und der Umgang mit Stress im Studium. Luca spricht über die Herausforderungen im Studienalltag auftauchen, wie Zugänglichkeit – oder das Fehlen davon – die akademische Laufbahn beeinflusst und wie Selbstfürsorge und Achtsamkeit auch in herausfordernden Phasen Raum finden können.
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Über diese Themen sprechen wir in dieser Folge:
- Über Luca von Kirschbaum
- Studium mit Behinderung – persönliche Erfahrungen und Herausforderungen
- Barrierefreiheit an verschiedenen Hochschulen
- Die Bedeutung von Community
- Selbstständigkeit und Freiheitsgefühl
- Barrierefreiheit im Alltag
- Nachteilsausgleiche im Studium
- Umgang mit Prüfungsstress und Selbstfürsorge-Strategien
- Vergleich Kanada–Deutschland – Barrierefreiheit und gesellschaftliche Offenheit
- Wissenschaftliche Schwerpunkte von Luca
- Berufliche Pläne – Promotion und Arbeit in der Wissenschaft
- Lucas Selbstfürsorge-Praxis
- Achtsamkeit nach stressigen Phasen im Studium
Transkript dieses Beitrags:
Einleitung
Mechthild [00:00:06]:
Hallo, herzlich Willkommen zu Folge 78 von Inklusive Achtsamkeit – der Podcast. Ich freue mich, dass du dir diese Folge anhörst. Ich habe diesmal mit Luca von Kirschbaum gesprochen und Luca nutzt they Pronomen. Ich versuche deswegen immer auch Luca zu sagen und freue mich, dass Luca sich die Zeit genommen hat, im Podcast zu Gast zu sein. Und es ging um das Thema Studium mit Behinderung und auch Leben im Ausland. Luca war für eine Zeit auch in Kanada und berichtet über die Erfahrungen, die Luca dort gemacht hat. Und wir haben auch so über verschiedene Themen gesprochen.
Viele verschiedene Themen in dieser Folge
Mechthild [00:01:01]:
Deswegen ist auf jeden Fall auch wieder eine Folge, die du dir anhören kannst. Am Ende geht es auch noch ein bisschen um das Thema Umgang mit Stress im Studium. Aber im Großen und Ganzen reden wir einfach so über die Erfahrung als behinderte Person im Studium und im Alltag. Also auf jeden Fall eine Folge, die für wahrscheinlich viele Menschen auch interessant ist. Und vielleicht hast du ja auch ähnliche Erfahrungen gemacht und kannst ja auch gerne mit uns teilen. Und jetzt wünsche ich dir viel Spaß beim Hören dieses Gesprächs.
Vorstellung Luca von Kirschbaum
Hallo Luca, schön, dass du im Podcast zu Gast bist. Ich freue mich, dass du heute hier bist und ich fange mal so an, dass du gerne einmal dich vorstellen kannst, was du von dir teilen möchtest, über dich sagen möchtest.
Luca von Kirschbaum [00:01:50]:
Ja, hallo Mechthild, ich freue mich auch total, dass ich heute hier sein darf. Ja, was gibt es zu mir zu sagen? Genau, ich habe eine Körperbehinderung und wohne in Köln und im Moment studiere ich noch. Ich studiere Amerikanistik in Bonn im Master, habe jetzt aber gerade meine Masterarbeit abgegeben und warte jetzt quasi darauf, dass ich meinen Abschluss bekomme. Ja, sonst so meiner Freizeit lese ich viel auch wegen meinem Studium und reise gerne. Ja, mach gerne was mit Freunden, so das Übliche.
Wir kennen uns schon lange
Mechthild [00:02:26]:
Ja, über dein Studium und auch Studieren mit Behinderung wollen wir auch gleich noch reden. Und eine witzige Story ist ja auch, wie lange wir uns schon eigentlich kennen, dass wir da irgendwann, als wir letztes Jahr haben wir uns ja wieder getroffen über einen Verein, wo wir beide mit was mit zu tun haben und dann haben wir wir gemerkt, dass wir uns eigentlich schon viel länger kennen.
Luca von Kirschbaum [00:02:49]:
Ja, stimmt. Das ist mir auch eigentlich gar nicht so direkt aufgefallen. Und dann irgendwie, als wir uns verabschiedet abends haben. Abends meintest du dann so zu mir so hey, wir kennen uns doch von da und da und ich war so, okay, wie krass einfach. Aber ja, ich glaube irgendwie, das ist auch so ein bisschen, also das ist glaube ich häufig in der Disability Community so, dass man sich entweder von ewig früher kennt oder irgendwie über 3 Ecken oder so und jeder kennt irgendwie jeden.
Über den Rollisport kennengelernt
Mechthild [00:03:20]:
Also obwohl wir immer sagen, wir kennen nicht alle, aber manchmal ist es dann doch so. Genau, weil wir haben uns ja beim Rollisport kennengelernt, wo ich damals als Übungsleiterin mitgearbeitet habe und du ja in der Gruppe warst als Teilnehmer. Also ja genau.
Luca von Kirschbaum [00:03:39]:
War das in Bonn damals?
Mechthild [00:03:40]:
Ja, genau, das war in Bonn bei den Rollikids, stimmt.
Luca von Kirschbaum [00:03:45]:
Ja genau. Mit wir waren dann noch, keine Ahnung. Ja, mit Ute Herzog. Ich weiß gar nicht, ob die das überhaupt noch macht, aber ja genau.
Mechthild [00:03:52]:
Da waren ja einige früher dabei auch. Ja, genau.
Spielt wieder Basketball
Luca von Kirschbaum [00:03:57]:
Da mittlerweile spiele ich in Köln. Also ich habe lange nicht gespielt. Ich habe dann aufgehört, als ich Abitur gemacht habe, weil wurde dann irgendwie alles ein bisschen viel so vom Zeitmanagement her. Ja, und dann bin ich weggezogen für Studium und habe dann aufgehört und ja, jetzt habe ich vor kurzem wieder angefangen. Es macht mir auf jeden Fall sehr viel Spaß.
Mechthild [00:04:18]:
Was spielst du denn gerade in Köln?
Luca von Kirschbaum [00:04:21]:
Basketball, weil okay, cool.
Austausch mit behinderten Menschen
Mechthild [00:04:25]:
Ja, genau. Das ist auch so ein Thema, was ihr auch wahrscheinlich bei dir dazu mit der Behinderten-Community angesprochen so der und auch der Verein, über den wir uns kennen, ist ja der Open Ocean, die ja auch Surfkurs organisieren für Menschen mit und ohne Behinderung. Und da ist ja immer so das Thema dieser Austausch mit anderen behinderten Menschen. Ich weiß nicht, wie das für dich so ist, der Kontakt zu anderen behinderten Menschen.
Luca von Kirschbaum [00:04:52]:
Ja, ich muss sagen, dass meine Disability Community relativ klein ist. Also eigentlich kenne ich jetzt auch nur so die, die du auch kennst, die wir irgendwie beide über Open Ocean kennen und sonst halt eigentlich super wenig. Also außerhalb davon habe ich jetzt eigentlich wenig Leute, mit denen ich so regelmäßig Kontakt habe, sage ich mal. Ja, aber ich finde auf jeden Fall, dass das schon mir so viel.
Eine besondere Art der Verbindung
Okay, wie sage ich das jetzt? Ja, dass das auf jeden Fall eine besondere Art der Verbindung oder eine besondere Art der Community ist und dass ich, also dass mir auch so, wenn wir uns mit mehreren Leuten treffen, wie zum Beispiel bei dem Sommerfest oder auch an Karneval, wo wir uns getroffen haben oder letztens, wo wir bei der einen Freundin einfach nur abends zusammen waren, dass so die Art der Kommunikation irgendwie ganz anders ist, finde ich.
Und dass man irgendwie auch ganz anders über Themen redet, im Vergleich zu, wie man über diese Themen mit Menschen ohne Behinderung redet, weil halt irgendwie gefühlt so viele Sachen brauche ich gar nicht so erklären oder aussprechen, weil die andere Person direkt versteht, was ich meine oder wie ich mich dabei fühle, weil die andere Person ähnliche Erfahrungen gemacht hat wie ich.
Mechthild [00:06:11]:
Ja, das finde ich auch auf jeden Fall so und unterstützt mich auch, dass da so ein bestimmtes Grundverständnis schon da ist und ich bestimmte Situationen, die eben diskriminierend oder ableistisch sind, gar nicht erklären muss, warum das ist, weil die Leute es ja verstehen, weil wir das ja jede von uns, jeder von uns, jede Person ja auch immer erlebt im Alltag.
Luca von Kirschbaum [00:06:35]:
Ja, genau.
Gerade Masterarbeit abgegeben
Mechthild [00:06:37]:
Ja, interessant. Und du hattest ja auch, das Studium war ja, ist ja auch ein wichtiges Thema für dich, weil du jetzt gerade deine Masterarbeit abgegeben hast. Weißt du auch schon, ob sie bestanden ist oder noch? Wartest du noch?
Luca von Kirschbaum [00:06:49]:
Ne, noch nicht. Krieg meine Ergebnisse jetzt wahrscheinlich Mitte April.
Mechthild [00:06:53]:
Ah ja, okay. Genau, drücke ich die Daumen. Genau, dann würde ich gerne so für dich wissen, wie so deine Erfahrungen auch mit dem Studium waren und auch als behinderte Person an der Uni zu sein.
Positive Erfahrungen im Studium
Luca von Kirschbaum [00:07:07]:
Ja, also ich kann ja mal so, ich, genau, ich studiere jetzt halt im Master in Bonn. Ich habe ja vorher im Bachelor in Mainz studiert und ich muss auf jeden Fall sagen, dass ich im Studium insgesamt sehr positive Erfahrungen gemacht habe im Vergleich zu meinen Erfahrung als Person mit Behinderung früher noch in der Schule, also halt vor allem in der weiterführenden Schule, da habe ich nicht so gute Erfahrungen gemacht, aber ich habe eigentlich so meine Zeit im Studium als sehr heilend schon fast empfunden, weil ich irgendwie viele Sachen gemacht habe und auch geschafft habe, die ich mir halt eigentlich in der Schulzeit immer gewünscht habe.
Also ich hatte zum Beispiel an der Uni halt, habe ich relativ schnell Freunde gefunden. Ich hatte eine feste Freundesgruppe, mit denen ich irgendwie klar während der, also halt auch während der Unitage natürlich was gemacht habe, aber wir haben auch sonst mal was unternommen und so und das hatte ich halt in der Schule irgendwie nie.
Schwierig Freunde zu finden in der Schulzeit
Da war ich immer ausgegrenzt, hatte eigentlich keine Freunde, wurde halt immer gehänselt und so und das habe ich irgendwie so in der Studienzeit halt alles nachgeholt. Ich muss auch sagen, dass ich halt in der Schulzeit mich oft auch von den Lehrern halt sehr unverstanden gefühlt habe und irgendwie auch oft so von den Lehrern in so eine komische Sonderposition gestellt wurde, die ich eigentlich nie wollte, weil ich halt immer das einzige Kind mit Behinderung auf der Regelschule war. Ja, das war halt im Studium irgendwie gar nicht so. Also ich hatte halt eigentlich nie das Gefühl, dass ich jetzt irgendwie was Besonderes bin oder so.
Luca musste im Studium nichts beweisen
Luca von Kirschbaum [00:08:35]:
Also die Professoren haben mir nie dieses Gefühl gegeben und ich hatte auch nie das Gefühl, dass ich mich jetzt bei den Professoren irgendwie beweisen muss und irgendwie denen quasi beweisen muss, dass ich doch was im Grips habe, weil man mir es vielleicht nicht unbedingt so ansieht. Oder wenn nichtbehinderte Menschen jemanden im Rollstuhl sehen, denken die halt direkt, oh mein Gott, die Person kann gar nichts und die Person ist dumm und da muss man irgendwie immer das Gegenteil beweisen. Und dieses Gefühl hatte ich im Studium aber tatsächlich nie. Ja, und das war irgendwie sehr schön und wie gesagt, irgendwie so viel von dem Trauma, kann man fast sagen, das ich in der Schulzeit erlebt habe, hat irgendwie sehr viel davon geheilt. Auf jeden Fall, das freut mich.
Mechthilds Erfahrungen in Schule und Studium
Mechthild [00:09:20]:
Geschichte klingt ein bisschen wie ähnlich wie bei mir, weil bei mir hat auch in der. Also ich hatte auch eine okey-Schulzeit, aber auf jeden Fall das Studium war dann noch mal eine Nummer besser als die Schule und ich war auch dann froh im Studium auch viele Freunde zu finden, die ich jetzt immer noch habe, nach vielen Jahren, Jahrzehnten schon fast ein bisschen älter bin als du. Genau, das ist einfach so mit den Leuten auch die ganze Zeit zusammen zu sein an der Uni und dann auch abends Sachen zusammen zu machen und so ein Freiheitsgefühl, was ich irgendwie in der Schulzeit auch nicht so hatte.
Im Studium ist es einfacher Anschluss zu finden
Luca von Kirschbaum [00:09:57]:
Ja, ich glaube halt, dass es aber generell, unabhängig jetzt von diesen Erfahrungen, die wir in der Schulzeit gemacht haben oder die ich gemacht habe, ich will jetzt nicht für dich sprechen, aber die ich gemacht hab, glaube ich halt auch, dass es im Studium auch leichter ist, irgendwie Anschluss zu finden, weil man ist zusammen in einem Studiengang, das heißt, man hat ungefähr ähnliche Interessen. Es ist halt leichter, irgendwie Leute zu finden, mit denen man irgendwie einen guten Vibe hat und man ist halt auch noch viel älter, ne? Ich meine, Schulzeit ist natürlich auch Pubertät hoch 10 so und im Studium ist man einfach viel reifer und versteht irgendwie viel eher, dass Menschen einfach unterschiedlich sind und es überhaupt keinen Sinn macht, irgendwie irgendwo auszuschließen.
In eine andere Stadt ziehen
Mechthild [00:10:39]:
Und du bist für dein Studium auch dann erstmal in eine andere Stadt gezogen, die auch etwas weiter weg von deinen Eltern war.
Luca von Kirschbaum [00:10:45]:
Genau, also für den Bachelor bin ich nach Mainz gezogen, bei Frankfurt. Genau, weil eigentlich habe ich mich für die Uni entschieden, weil das halt eine Campus Uni ist und alles halt super nah beieinander ist, weil die auch relativ modern ist und deswegen auch die meisten Gebäude eigentlich barrierefrei sind, was jetzt glaube ich in Köln zum Beispiel nicht unbedingt der Fall ist.
Und ich hatte mich tatsächlich damals für den Bachelor auch in Bonn beworben, aber dann wurde ich abgelehnt, weil die Anglistikfakultät halt auch in einem alten Gebäude ist und die ganzen Sachen nicht barrierefrei gewesen wären, also die ganzen Veranstaltungen nicht barrierefrei gewesen wären. Ja, und dann habe ich es halt für den Master dann noch mal in Bonn probiert und in der Zwischenzeit hatten die dieses alte Gebäude, wo die Anglistik halt früher drin war, das wurde saniert oder wird immer noch saniert und die Anglistik ist jetzt vor ein paar Jahren umgezogen in ein altes Versicherungsgebäude, was halt viel moderner ist, was auch Aufzüge hat und barrierefreie Toiletten und alles.
Manchmal fügen sich Dinge später
Und dann ging das irgendwie so und das war, weiß ich nicht, irgendwie auch so ein lustiger Moment, wo sich dann irgendwie der Kreis wieder schließt, so ein bisschen nach dem Motto, gut Ding will Weile haben, dann hat es beim ersten Mal nicht geklappt und dann muss man einfach ein paar Jahre später noch mal wiederkommen und dann fügt sich irgendwie alles wieder so.
Als Mensch mit Behinderung sind wir an Hindernisse gewöhnt
Mechthild [00:12:05]:
Ja, aber auch frustrierend, dass es dann an so einem Gebäude scheitert, dass du dein Studium nicht an dem Ort machen kannst, wo du es gerne machen würdest.
Luca von Kirschbaum [00:12:14]:
Ja, total. Aber ja gut, ich glaube, da ist man vielleicht auch als Mensch mit Behinderung einfach ein bisschen dran gewöhnt und auch darauf vorbereitet, dass man nicht so super flexibel entscheiden kann, wo man studieren möchte. Deswegen, ja, ich glaube, das ist einfach so ein bisschen gehört wieder dazu, leider.
Mechthild [00:12:35]:
Aber genau meine Uni, wo ich studiert habe in den Niederlanden, war auch so eine Art Campus, wo alles relativ nah beieinander war und ich auch das Glück hatte, relativ nah am Campus eigentlich schon fast auf dem Campus wohnen zu können, wodurch ich auch kurze Wege dann hatte und hat mir auf jeden Fall auch geholfen, um das Studium so machen zu können.
Campus-Universitäten haben Vor- und Nachteile
Luca von Kirschbaum [00:12:55]:
Auf jeden Fall. Ich glaube, die Campus Universität tut auch noch mal viel dazu, was so Barrierearmut und sowas angeht auf jeden Fall. Aber ich habe zum Beispiel in Mainz habe ich es dann auch manchmal als sehr still irgendwie empfunden, weil der Campus natürlich irgendwie ab 6, 8 Uhr abends ist der halt da ist ja keiner mehr, wenn die, wenn die Bibliotheken dann zu machen, dann ja, ist er halt so ein bisschen tote Hose.
Ja und halt eigentlich alle meine Freunde haben halt woanders gewohnt quasi auf der anderen Seite der Innenstadt. Das heißt, wir haben uns dann eigentlich halt meistens auch nur irgendwie am Wochenende getroffen oder so. Ja, aber wir sind jetzt eigentlich auch nie so viel ausgegangen oder so, haben uns halt meistens bei irgendwem zu Hause getroffen, was auch schön ist.
Nicht immer so viel los
Aber manchmal hat mir dann irgendwie so ein bisschen die Ausgekultur und so gefehlt, die ich irgendwie aus Köln kenne. Deswegen habe ich meins auch manchmal so ein bisschen als Kleinstadt irgendwie in Erinnerung, weil es eben nicht so die Ausgehkultur und sowas gibt oder habe ich zumindest nicht so wahrgenommen wie jetzt in Köln. Aber ich weiß nicht, vielleicht wenn man in Köln groß geworden ist, kommt ein, glaube ich fast jede andere Stadt ein bisschen Kleinstädtisch vor, außer jetzt vielleicht irgendwie München und Berlin.
Mechthild [00:14:13]:
Ja, also so ausgehen ist auf jeden Fall auch wichtig, dass man da dann barrierefrei auch kommt.
Viele Orte in Mainz waren nicht barrierefrei
Luca von Kirschbaum [00:14:22]:
Ja, ich glaube das war auch so ein bisschen ein Punkt, weshalb wir in Mainz uns dann halt auch oft bei Freunden von mir zu Hause getroffen haben, weil halt viel von den Kneipen, wo die Leute ausgegangen, wo wir aus hätten ausgehen können, gar nicht barrierefrei waren. Also ich war jetzt vor ein paar Monaten noch mal in Mainz für eine Konferenz, für ein Wochenende und da sind wir dann nach dem ersten Konferenztag auch abends essen gegangen und allein der Weg zum Restaurant war eigentlich fast nicht machbar, weil der halt super steil war und einfach ewig gedauert, bis ich da bei diesem Restaurant war und kam dann irgendwie komplett fix und alle da an und der Eingang war auch überhaupt nicht barrierefrei, muss dann irgendwie wieder hintenrum durch den Hintereingang und so. Also es war richtiger Heckmeck.
Mechthild [00:15:08]:
Das ist nervig. Ja, das ist an sich das Schöne an Köln, dass es hier relativ flach ist und man eigentlich ganz gut überall hinkommt.
Luca von Kirschbaum [00:15:16]:
Das stimmt. Ja, das stimmt. Das ist schon ein großer Vorteil.
Alleine leben
Mechthild [00:15:22]:
Ja, das ist schön genau für mich auf jeden Fall beim Studium auch dieses Freiheitsgefühl dann von zu Hause weg sein, noch mal ein wichtiger Faktor und auch für die eigene Selbstständigkeit, weil natürlich war ich auch als zu Hause, als ich noch bei meinen Eltern gewohnt habe, habe ich natürlich auch viele Sachen gemacht. Zum Beispiel bin ich auch immer selber dann zum Rollisport früher gefahren, weil der im Nachbarort war. Aber trotzdem ist natürlich was anderes, wenn man dann einmal ganz für sich alleine wohnt und alles alleine machen kann und muss.
Luca von Kirschbaum [00:15:52]:
Ja, auf jeden Fall. Das macht auf jeden Fall auch noch mal viel aus, so für die eigene Selbstständigkeit so insgesamt Und hat mir, glaube ich, auch geholfen als Person so ein bisschen mit meinen Aufgaben zu wachsen. Auf jeden Fall. Also ist nicht so, als hätte ich meine Mutter nicht irgendwie mindestens jeden zweiten Tag angerufen und gefragt, Mama, wie geht das? Aber ja, trotzdem auf jeden Fall so in, wie heißt das? Rückblickend betrachtet. Genau, rückblickend betrachtet hat mir das auf jeden Fall sehr geholfen, so für meine eigene Entwicklung auf jeden Fall.
Barrierefreiheit im Studium
Mechthild [00:16:29]:
Und wie war das für dich im Studium mit dem Material und auch zum Beispiel Klausuren? Weil bei mir zum Beispiel habe ich dann irgendwann länger Zeit bekommen, um Klausuren zu schreiben, weil ihr gemerkt habe, ich brauche auch ein bisschen mehr Zeit dafür. Und wir haben teilweise auch, weil ich habe halt Psychologie studiert, wo teilweise im ersten Semester fast an die 500 Studenten waren und dann saßen wir teilweise alle in einem großen Raum im Sportzentrum oder in einem Vorlesungssaal und haben da halt die Klausuren geschrieben oder die Examen.
Und ich habe gemerkt, dass mich das halt total stresst und konnte dann halt in einem Raum schreiben, wo weniger Leute die Klausuren geschrieben haben, wo auch Leute, die zum Beispiel Lese Rechtschreib schwäche Dyslexie hatten, auch Legasthenie hatten, auch schreiben konnten und so. Deswegen weiß nicht, wie das bei dir war, ob du da auch dich irgendwie so Unterstützung gesucht hast, um dein Studium besser schaffen zu können.
Nachteilsausgleich für Prüfungen
Luca von Kirschbaum [00:17:26]:
Ja, also ich hatte auch auf jeden Fall einen Nachteilsausgleich, also sowohl im Bachelor als auch im Master an der Uni, aber ich habe das eigentlich auch nur gemacht, weil ich das halt in der Schule auch schon hatte. Also ich wusste, okay, ich brauche das und das bringt mir was. Deswegen habe ich das dann sowohl im Bachelor als auch im Master direkt beantragt. Und zwar eigentlich, also der ist auch, war auch immer gleich, der war in der Schule genau gleich wie im Bachelorstudium, wie im Masterstudium auch. Also ich habe einfach ein bisschen mehr Zeit bekommen.
Im Bachelorstudium weiß ich noch, dass ich ein oder zwei Klausuren auch in einem eigenen Raum geschrieben habe. Das hatten die mir da irgendwie angeboten. Dann dachte ich so, ja komm, mache ich mal, wieso nicht? Und da war auch noch eine andere Person mit dabei, die glaube ich irgendwie ein jüngeres Kind hatte und die musste dann ab und zu mal raus, um sich um dieses Kind zu kümmern, was mich dann persönlich aber auch wieder extrem abgelenkt hat, was mich total genervt hat.
Luca von Kirschbaum [00:18:20]:
Also es war irgendwie so ein bisschen kontraproduktiv dann im Endeffekt, weil sie dann mal wieder aufgestanden ist, um rauszugehen.
Und ich habe halt auch Konzentrationsschwierigkeiten. Ich lasse mich halt super schnell ablenken und dann dauert das halt auch wieder ein bisschen, wenn ich dann einmal abgelenkt bin, bis ich mich dann wieder auf meine Aufgabe fokussieren kann.
Genau, und dann war ich irgendwie, genau, ich saß glaube ich schon im Zweitversuch für diese Klausur, die ich da geschrieben habe und dachte mir so zwischendurch, okay, wenn ich jetzt wieder durchfalle, dann studiere ich irgendwas anderes, weil irgendwie interessiert mich das hier sowieso nicht.
Zweitfach gewechselt
Das war halt in meinem, in meinem, in meinem Zweitfach war das, ich habe erst angefangen Germanistik zu studieren und dann saß ich eben in dieser Klausur im Zweitversuch und dachte mir so, ja okay, wenn ich jetzt hier wieder durchfalle, dann mache ich irgendwas anderes, weil eigentlich interessiert mich es eh nicht und ich verstehe es sowieso nicht. Ja, dann bin ich wieder durchgefallen, oh Wunder. Und dann war ich so, ja okay, dann mache ich jetzt was anderes. Und dann habe ich mein Beifach gewechselt und habe dann im Beifach Europäische Literaturwissenschaften studiert und im Hauptfach Amerikanistik.
Auch mehr Zeit für Bachelor- und Master-Arbeit
Luca von Kirschbaum [00:19:21]:
Also irgendwie war das so ein bisschen kontraproduktiv mit diesem Nachteilsausgleich, wie die das da in Mainz gehandelt haben. Aber so insgesamt hat mir das trotzdem geholfen, auf jeden Fall, dass ich ein bisschen mehr Zeit hatte und ich glaube, dass es mir insgesamt auch geholfen hat, weil ich diesen Nachteilsausgleich ja schon zu Schulzeiten hatte. Es war nicht so komplett neu und ich wusste quasi schon, bevor ich mein Studium angefangen habe, dass ich das brauche, dass wir das was bringt. Und ja, eigentlich war das, glaube ich, relativ easy, das auch zu beantragen und im Masterstudium dann auch. Genau, ich habe dann auch für sowohl für die Bachelorarbeit als auch für die Masterarbeit auch ein bisschen mehr Zeit bekommen.
Es nimmt Druck raus
Ja, weil also vor allem bei der Masterarbeit habe ich es gemerkt, dass es auch insgesamt irgendwie viel von dem Druck rausnimmt. Also ich glaube, bei einer Masterarbeit ist ja insgesamt der Druck noch mal höher, weil es ist so, okay, ich schließe jetzt mein Studium damit ab, so also ich muss gut abliefern und ich glaube, dass auf jeden Fall diese paar Wochen, die ich da mehr Zeit hatte, dass das einfach insgesamt wenigstens ein bisschen von dem Druck rausgenommen hat.
Auch Klausuren am PC schreiben
Mechthild [00:20:28]:
Ja, das ist gut. Ja, nee, ich hatte das auf jeden Fall auch entspannt. Also ich war da nicht so. Ich hatte in der Schule auch, durfte dann auch teilweise länger schreiben und habe auch teilweise Arbeiten am Laptop geschrieben, habe dann aber am Studium es erstmal so versucht und nach ein paar Monaten, als ich auch die ersten Klausuren dann nicht auch teilweise nicht bestanden hat oder ganz knapp bestanden hatte, dann auch mal bei einer Studienpsychologin ein Gespräch gehabt und die hatte mir dann das direkt das gesagt, dass ich das machen kann. Und ab dann fand ich es auch, war es auch entspannter für mich, weil ich die Möglichkeit hatte, das zu machen.
Im Studium vorallem Hausarbeiten
Luca von Kirschbaum [00:21:04]:
Ja, genau, stimmt. Ich habe, glaube ich, auch meine Klausuren dann am PC geschrieben, tatsächlich so einem Bachelor eben bei dieser einen Germanistikklausur, wo ich mir dann so dachte, okay, wenn ich es wieder durchfliege, dann mache ich was anderes. Da saß ich auch auf dem Computer. Ich hatte halt in meinem Studium gar nicht so viele Klausuren, aber das lag daran, die halt das Studium aufgebaut haben. Wir hatten halt hauptsächlich Hausarbeiten und die schreibt man ja sowieso am PC. Und dann im späteren Master hatte ich glaube ich, also kann ich mich an noch zwei andere Klausuren erinnern, die ich hatte genau in meinem Nachteilsausgleich stand auch drin, dass ich diese Sachen auch am PC schreiben darf. Und das habe ich dann einfach direkt mit der Professorin so abgeklärt und habe gesagt, jo, ich habe diesen Nachteilsausgleich, ich darf das am PC schreiben, haben sie einen, den sie zur Verfügung stellen wollen, ansonsten bringe ich meinen eigenen mit. Und dann war das total unkompliziert.
Es war oft sehr entspannt mit dem Nachteilsausgleich
Luca von Kirschbaum [00:21:55]:
Ich glaube, die wollte noch nicht mal diesen Wisch vom Prüfungsamt sehen, der das bewilligt. Also die hat mir das einfach so abgekauft und hat gesagt, ja, am Anfang von der Klausur soll ich dann einfach halt das WLAN ausschalten, damit ich nicht keinen Täuschungsversuch machen kann und einfach google oder so. Ja, aber ansonsten war das super entspannt.
Reisen mit Behinderung
Mechthild [00:22:18]:
Gut, das klingt gut. Genau. Ich habe noch ein anderes Thema, weil du warst ja auch für dein Studium und auch so, weil ja von dir, dass du gerne reist und dass du einmal teilweise im Ausland warst, auch so wie deine Erfahrung mit Reisen und Behinderung oder auch so Leben in anderen Ländern mit Behinderung für dich war.
Luca von Kirschbaum [00:22:38]:
Ja, also kommt natürlich immer aufs Land an, es ist auf jeden Fall nicht überall gleich leicht zu reisen. Ich kann mich auch noch erinnern, dass ich als Kind war es natürlich auch ein bisschen leichter irgendwie in nicht so barrierefreie Länder zu reisen, weil gut, ich war kleiner, ich war auch noch viel leichter und dann, wenn es halt nicht so barrierefrei war, haben meine Eltern mich dann halt auch mal getragen oder so. Das ist jetzt halt mittlerweile mit 27 ist es jetzt nicht mehr so die Möglichkeit.
Auch für eine längere Zeit in Kanada
Genau, aber also ich hab während meiner Schulzeit, habe ich ein Jahr, war ich halt ein Jahr im Ausland, nach der neunten Klasse, war in Kanada und habe da bei einer Gastfamilie gewohnt auf so einer kleinen Insel an der Westküste zwischen Vancouver und Vancouver Island. Ja, da habe ich auf jeden Fall, also das habe ich auf jeden Fall als sehr barrierefrei empfunden. Also das Haus war jetzt nicht so hundertprozentig barrierefrei, aber ich habe ja auch noch ein bisschen Mobilität oder damals konnte ich auch noch ein bisschen laufen, das heißt, ich brauchte jetzt auch nicht den Rollstuhl halt in Haus die ganze Zeit. Das heißt, das war gar nicht so das Problem.
Dort auch viel gereist
Generell auch so in der Schule, die ich dann damals besucht habe während dem Auslandsjahr, die war auch super barrierefrei und das war auch überhaupt kein problem, das war 2013 und dann bin ich nach dem Abitur 2017 und nach meinem Studium 2022 bin ich dann noch mal dahin zurück und 2022 bin ich dann, also war ich auch ein bisschen länger in Kanada, also drei Monate insgesamt und bin da auch ein bisschen rumgereist, also von der Westküste bis zur Ostküste und wieder zurück quasi und hab insgesamt das Reisen als sehr unkompliziert auf jeden Fall empfunden.
Mit dem Zug fahren, war dort auch einfach
Luca von Kirschbaum [00:24:28]:
Also sowas öffentliche Verkehrsmittel angeht, ob es jetzt irgendwie die U-Bahn in Toronto ist oder der Zug von, keine Ahnung, wo bin ich da gefahren, Von Toronto nach Ottawa bin ich zum Beispiel einmal mit dem Zug gefahren. Das war auch total unkompliziert. Die hatten da auch so Einstiegshilfe und auch so barrierefreie Plätze im Zug und alles. Also das war richtig unkompliziert. Generell würde ich auf jeden Fall sagen, dass Kanada eigentlich eines der barrierefreisten Länder ist, die ich bereist habe und auch wie gesagt, auch total unkompliziert.
In Kanada waren Menschen offener
Irgendwas wollte ich noch sagen, aber habe ich jetzt wieder vergessen. Ach so, ja und auch so insgesamt fand ich auch, also dass die, so wie die Leute auf mich reagiert haben als Mensch mit Behinderung, habe ich auch ganz anders empfunden als jetzt in Deutschland. Also die waren, ich würde sagen, dass die Kanal da generell viel offener sind und auch mir gegenüber viel offener waren und nicht so viel Berührungsängste hatten aufgrund meiner Behinderung.
Kanada ist barrierefreier als Deutschland
Luca von Kirschbaum [00:25:34]:
Und ich glaube, dass das eben auch daran liegt, dass weil das Land so viel oder teilweise, bestimmt nicht überall, aber teilweise oder größtenteils so viel barrierefreier ist als andere Länder in Europa oder Deutschland, dass natürlich Menschen mit Behinderung auch viel mehr Teil des öffentlichen Lebens sein können, weil es eben viel barrierefreier ist und dass dadurch halt auch viele nichtbehinderte Menschen mehr Berührungspunkte mit Menschen mit Behinderung haben und deswegen die Berufsängste weniger sind.
Mechthild [00:26:08]:
Ja, wichtiger Punkt. Cool, dass du so schöne Erfahrungen Kanada hast. Ich war nur einmal so als Jugendliche für zwei Wochen als zum Reisender, aber ich fand es auf jeden Fall auch ein cooles Land und würde es gerne auch noch mal auch Vancouver und Vancouver Island auch noch mal bereisen wollen.
Kanada ist ein sehr beeindruckendes Land
Luca von Kirschbaum [00:26:28]:
Ja, also an sich auch jetzt unabhängig von der Barrierefreiheit auch ein super beeindruckendes Land und ja, es gibt einfach so viel zu sehen und von irgendwie Strand und Meer alles bis hin zu Gletschern und Skipisten und riesengroße Wälder. Also es ist wirklich, ich habe diese Landschaft, die ich da gesehen habe, habe ich glaube ich seitdem nirgendwo mehr auf der Welt gesehen.
Mechthild [00:26:54]:
Ich glaube, es gibt auch nicht so viele Länder, wo es so beeindruckende Landschaft.
Luca von Kirschbaum [00:26:58]:
Das stimmt, ja. Also wenn man die Möglichkeit hat, sollte man das auf jeden Fall einmal in sein Leben gesehen haben, glaube ich.
Literatur und Behinderung
Mechthild [00:27:08]:
Ja, dann ist hoffentlich, wenn wir jetzt wissen, dass es so barrierefrei ist, reisen vielleicht mehr Leute auch mal. Genau. Beschäftigt sich auch wie mit Literatur auch für deine Masterarbeit und auch so gerne liest. Und ist für dich so Behinderung und Literatur so ein Thema, mit dem du dich beschäftigst oder wie siehst du das oder wie nimmst du das für dich wahrscheinlich?
Liest vorallem für das Studium
Luca von Kirschbaum [00:27:30]:
Ja, also ich würde sagen, dass jetzt so, ich mein, mittlerweile beschäftige ich mich mit Literatur hauptsächlich im Kontext meines Studiums. Also ich lese in meiner Freizeit schon noch ein bisschen, aber im Moment jetzt auch gar nicht mehr so viel, weil ich einfach viel und lange fürs Studium gelesen habe. Gibt bestimmt auch wieder andere Zeiten, wo ich mehr für Freizeit lese.
Aber genau, eigentlich habe ich mich so mit Literatur und Behinderung in den letzten Jahren hauptsächlich so im Kontext meines Studiums beschäftigt und so ab und zu schreibe ich auch irgendwie mal Essays darüber. Also ich habe zum Beispiel, letztes Jahr war das glaube ich, habe ich ein Essay für eine Konferenz geschrieben zur Darstellung von Behinderung in dem Buch Ein wenig Leben von Hanya Yanagihara, Was ja, also von welchem Jahr ist das? Keine Ahnung, 2014 oder so oder 15? Irgendwie sowas, das ja auch super bekannt war. So letztes Jahr habe ich viel darüber gelesen. Genau, also in dem Kontext habe ich mich dann ein bisschen mit Behinderung Literatur beschäftigt. Die Konferenz ging tatsächlich auch über Repräsentationen von Menschen mit Behinderung.
Wenig Repräsentation von Menschen mit Behinderung im akademischen Bereich
Luca von Kirschbaum [00:28:52]:
Okay, genau. Aber insgesamt muss man eigentlich sagen, dass so im akademischen Bereich relativ wenig Repräsentation für Menschen mit Behinderung ist, leider. Was aber irgendwie auch nicht so überraschend ist, finde ich, weil das akademische oder zumindest an der Philosophischen Fakultät, also die Akademie an der Philosophischen Fakultät ja quasi von sich behauptet, die Gesellschaft, in der wir leben, widerzuspiegeln. Und wenn die Gesellschaft, in der wir leben, wenig Repräsentation von Menschen mit Behinderung hat, dementsprechend hat natürlich dann auch die Akademie an der Philosophischen Fakultät wenig Repräsentation mit Behinderung. Oh Wunder. Genau. Und ich glaube halt auch, dass ich mich so ein bisschen davor sträube, mich jetzt krass im Studium mit, also mit Literatur und Behinderung zu beschäftigen, weil es, also weil es mich ja sonst auch in meinem Alltag eigentlich immer und überall beschäftigt und ich dann lieber quasi meine akademische Zeit, wenn ich es jetzt mal so sagen kann, lieber mit anderen Dingen mich irgendwie beschäftige. Also ich schließe es nicht komplett aus, aber ich habe einfach ein bisschen andere Themen, auf die ich mich fokussiere.
Indigene Literatur
Mechthild [00:30:10]:
Was sind das gerade für Themen?
Luca von Kirschbaum [00:30:12]:
Also ich beschäftige mich schon länger, eigentlich seit meinem Bachelorstudium viel mit indigener Literatur, also mit Literatur von indigenen Personen aus Nordamerika und eben auch deren Geschichte der Beziehung zu den kolonialistischen Staaten in USA und Kanada oder also ja, die Regierungen quasi. Ja, genau.
Mechthild [00:30:39]:
Auch ein spannendes Thema.
Luca von Kirschbaum [00:30:41]:
Also das ist so mein Lieblingsthema, natürlich auch durch die ganzen Vorlesungen und Seminare, die ich besucht habe, natürlich auch noch viele andere Themen, aber das ist so mein Lieblingsthema und das, mit dem ich mich eigentlich auch am meisten beschäftige. Und das ist auch das Thema, mit dem ich mich jetzt auch, grüber gesagt, in meiner Masterarbeit beschäftigt habe.
Pläne nach der Masterarbeit
Mechthild [00:31:02]:
Ja, okay. Genau. Das ist eigentlich auch noch eine Frage, was jetzt deine Pläne nach dem Master und nach der Masterarbeit sind.
Luca von Kirschbaum [00:31:09]:
Genau, also vorausgesetzt, ich habe meinen Master bestanden, ist eigentlich der Plan danach noch einen Doktor zu machen, weil ich einfach super gerne halt an, also akademisch arbeite. Ich interessiere mich sehr für Literatur. Ich finde es total super, mich irgendwie tiefgründiger mit irgendwelchen Texten zu beschäftigen und darüber zu schreiben. Also Hausarbeiten haben mir immer Spaß gemacht.
Gerne einen Doktor machen
Meine Bachelorarbeit und meine Masterarbeit haben mir beide total Spaß gemacht, mich irgendwie länger mit einem Thema tiefgründiger zu beschäftigen. Also das ist schon auf jeden Fall mein Ding. Genau, deswegen würde ich jetzt halt gerne noch einen Doktor machen und dann halt irgendwie an der Akademie, also an der Uni bleiben und an der Uni dann wahrscheinlich noch weiter unterrichten oder so. Aber ja, muss ich jetzt halt ein bisschen schauen, ob ich dann eine Stelle bekomme und vor allem, wo ich eine Stelle bekomme, ob ich dann wieder umziehen muss und so.
Luca von Kirschbaum [00:32:07]:
Und dann sind wir halt auch wieder bei dem Thema, was wir eben gesagt haben, dass man eben als Mensch mit Behinderung, wenn man auf Barrierefreiheit oder eine bestimmte Art von Barrierefreiheit angewiesen ist, natürlich auch nicht so super flexibel ist, leider. Und da muss ich jetzt einfach schauen, wie es weitergeht. Aber ja, das ist irgendwie so der grobe Plan.
Es wäre schön in Köln bleiben zu können
Mechthild [00:32:32]:
Ja, dann hoffe ich, dass du eine gute Stelle findest in der Stadt, die gut zu dir passt, wo du auch eine gute barrierefreie Wohnung findest oder vielleicht bleiben kannst in Köln und dann machen kannst, was du machen möchtest.
Luca von Kirschbaum [00:32:47]:
Ja, das wäre auf jeden Fall schön, wenn ich in Köln bleiben könnte, weil ich auch mit meiner Wohnung, meiner Wohnsituation aktuell super zu zufrieden bin und auch in einer sehr barrierefreien Wohnung im Moment wohne. Aber ja, keine Ahnung, kann man sich halt manchmal auch nicht aussuchen. Also kann schon sein, dass ich dann quasi gezwungenermaßen wegziehe oder wegziehen muss. Aber ja, muss einfach mal schauen.
Noch weitere Themen
Mechthild [00:33:14]:
Gibt es da noch irgendwas, was ich jetzt noch nicht gefragt habe, was du gerne noch teilen möchtest oder noch sagen möchtest?
Luca von Kirschbaum [00:33:20]:
Ich glaube sonst nicht. Okay, wir haben über so vieles gesprochen.
Lucas Selbstfürsorge
Mechthild [00:33:26]:
Genau. Und die letzte Frage ist immer, weil mein Podcast ja auch um das Thema Achtsamkeit und Selbstfürsorge geht, was deine eigene Selbstfürsorge ist, was du für dich gerade machst, was dir gut tut.
Wieder mehr Lesen
Luca von Kirschbaum [00:33:37]:
Genau, also da ich ja jetzt in letzter Zeit eine relativ intensive und stressige Zeit hinter mir habe mit meiner Masterarbeit, bin ich jetzt gerade irgendwie so mehr darauf fokussiert, irgendwie die Sachen zu machen, die mir Spaß machen. Also ich versuche auch im Moment wieder viel so in meiner Freizeit zu lesen und die ganzen Bücher aufzuholen, für die ich keine Zeit hatte während meiner Masterarbeit und auch ehrlicherweise überhaupt keinen Kopf. Ja, ansonsten mache ich jetzt auch wieder ein bisschen mehr Sport eben.
Wieder mehr Sport
Also weil ich ja jetzt auch seit ein paar Monaten wieder bei den 99ers bin, gehe ich einmal die Woche zum Sport, wo ich auch merke, dass es mir sehr gut tut. Und sonst halt auch nehme ich mir auch mehr Zeit für Freundinnen, weil ich während der Masterarbeit auch oft irgendwie absagen musste und generell auch teilweise eine ganze Woche lang zu Hause war die ganze Zeit, weil ich auch für nichts anderes mehr Energie hatte. Also ich versuche auch mehr rauszugehen, das Haus zu verlassen, was auch gut ist für die physische und mentale Gesundheit. Ja. Also genau, ich versuche einfach im Moment viel von den Sachen zu machen, für die ich während meiner Masterarbeit keinen Kopf und keine, also keine Zeit und Energie hatte.
Mechthild [00:34:55]:
Ja, und jetzt wird ja auch wieder schöneres Wetter, dann kann man auch endlich wieder ein bisschen besser rausgehen.
Luca von Kirschbaum [00:35:01]:
Genau.
Umgang mit Stress im Studium
Mechthild [00:35:01]:
Ja, aber du hast gerade, jetzt fällt mir dann noch ein, du hast jetzt gerade mit dem Stress im Studium gesagt, hast du da so sowohl während der Masterarbeit und auch im Studium so Wege für dich gehabt, mit dem Stress auch umzugehen? Was hast du da für dich gemacht oder ist dir das leicht oder schwer gefallen?
Luca von Kirschbaum [00:35:21]:
Ich würde schon sagen, dass mir eher schwer gefallen ist und ich glaube ich bis jetzt noch keine gute und auf jeden Fall wenigstens gesunde Art gefunden habe, damit umzugehen. Also bei mir hat Stress leider oft ausgelöst, dass ich einfach wirklich tagelang nur zu Hause war und nicht rausgegangen bin oder irgendwas anderes gemacht habe, weil ich einfach mental so erschlagen war, dass ich teilweise einfach nur den ganzen Tag im Bett war, was natürlich jetzt nicht so förderlich ist für die Gesundheit, aber deswegen arbeite ich jetzt auch für jeden Fall daran, dass wieder zu ändern. Ja, kann das dann hoffentlich auch in Zukunft beibehalten in so stressigen Phasen, aber schauen wir mal, wie das wird jetzt
Mechthild [00:36:13]:
Es ist auch immer eine Übung, immer zu gucken, was wir gerade brauchen.
Luca von Kirschbaum [00:36:16]:
Ja, genau.
Abschluss der Folge
Mechthild [00:36:17]:
Ja, OK. Vielen Dank Luca für deine Zeit und was du alles mit uns teilt hast über dein Studium und der Leben in Kanada auch und alles Mögliche, worüber wir geredet haben. Und dann wünsche ich dir einen schönen Tag und bis bald.
Luca von Kirschbaum [00:36:33]:
Ja, dir auch vielen Dank für das nette Gespräch, hat mich sehr gefreut und bis ganz bald